Merkmale und Lebensweise der Bachmuschel
Die Bachmuschel (Unio crassus) gehört zur Familie der Flussmuscheln (Unionidae). Sie hat eine dicke, ovale Schale (bis 10 cm lang) mit stark ausgeprägten Schlosszähnen. Die Bachmuschel lebt teilweise eingegraben in langsam fließenden Bächen mit einem feinkiesigen Bachbett und abwechslungsreichen Uferstrukturen. Die Ernährung der Bachmuschel erfolgt durch Filtration. Über die Einströmöffnung wird Wasser aufgenommen, aus dem sie feine organische und pflanzliche Partikel herausfiltert. Bachmuscheln werden sehr alt und können bis zu 90 Jahre alt werden.
Bachmuschel in ihrem natürlichen Habitat
Schlosszahn der Bachmuschel
Fortpflanzung der Bachmuschel
Für ihre Vermehrung ist die Art abhängig von geeigneten Wirtsfischen. In der Fortpflanzungszeit produzieren die Weibchen etwa 100.000 Eier. Die männlichen Muscheln geben Spermien in das Bachwasser ab (1), das wiederum als Atemwasser in die Körperhöhle der Weibchen gelangt und dort die Eier befruchtet. Innerhalb von zwei bis vier Wochen entwickeln sich aus den befruchteten Eiern, zweiklappige Larven, sogenannte Glochidien. Für die Abgabe der Glochidien begeben sich die Muttertiere an den Gewässerrand und spritzen die Glochidien mit einem Wasserstrahl ins Wasser (2), wodurch Wirtsfische angelockt werden. Die ca. 0,2 mm großen Glochidien setzen sich in den Kiemen fest (3). Nur bestimmte Wirtsfischarten sind für die Entwicklung der Glochidien geeignet, wie z.B. Aitel (Squalius cephalus) und Elritze (Phoxinus phoxinus), sowie je nach Gewässersystem auch weitere Fischarten. In der Ischler Achen ist die bedeutendste Wirtsfischart der Bachmuschel der Aitel. Die parasitäre Phase am Wirtsfisch dauert 10 bis 35 Tage. Währenddessen entsteht aus der einfach organisierten Larve ein filtrierender Organismus. Nachdem die Entwicklung abgeschlossen ist, lösen sich die Jungmuscheln vom Wirtsfisch und sinken auf den Gewässerboden ab. Sie vergraben sich im Substrat, wo sie die ersten Jahre verbringen und bis auf die Größe von ca. 1 cm heranwachsen (4). Dafür benötigen die Jungmuscheln sandige bis feinkiesige Gewässerbereiche mit guter Sauerstoffversorgung, aber nicht zu starker Strömung. Diese speziellen Bedingungen sind aufgrund der starken Veränderung unserer Gewässer heute nicht mehr an vielen Stellen zu finden.
Lebenszyklus der Bachmuschel. Illustrationen: Paula Emilia Zuccon.
oben: trächtige Bachmuschel, unten: Glochidien (Larven der Bachmuschel)
Bedeutung der Bachmuschel
Die Bachmuschel spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem von Fließgewässern. Sie nimmt durch ihre Filterleistung eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf eines Gewässers ein und trägt zur Stabilität des Ökosystems bei. Täglich kann eine Muschel somit bis zu 60 l Wasser reinigen. Sie gilt daher als Bioindikator für gute Wasserqualität. Auch verstorbene Tiere tragen noch durch den Verbleib der kalkhaltigen Schalen im Gewässer zu einer Stabilisierung der Wasserwerte bei und bieten anderen Kleinstlebewesen im Gewässer einen Lebensraum.
Da die Bachmuschel sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagiert, können über ihr Vorkommen und ihren Populationszustand Rückschlüsse auf Gewässerverschmutzung, Veränderungen des Gewässerbodens oder auf andere ökologische Probleme gezogen werden. Sie wird daher auch als „Indikatorart“ bezeichnet.
Der Schutz der Bachmuschel ist nicht nur für den Erhalt dieser seltenen Art von großer Bedeutung, sondern auch für die Stabilität und Funktionsfähigkeit von Fließgewässerökosystemen insgesamt. Durch die enge Wechselwirkung mit anderen Organismen, insbesondere mit bestimmten Fischarten, tragen Maßnahmen zum Schutz der Bachmuschel daher häufig auch zur Verbesserung der Gewässerstruktur, zur Förderung der Biodiversität und zum Erhalt vielfältiger Lebensräume für zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten bei. Die Bachmuschel ist daher auch eine „Schlüssel- und Schirmart“ im Gewässerschutz.
Schutzstatus der Bachmuschel
Die Bestände der europaweit vorkommenden Art sind in den letzten Jahrzehnten stark zurück gegangen, so dass sie inzwischen vom Aussterben bedroht ist. Dem Freistaat Bayern kommt beim Schutz der Bachmuschel eine besondere Verantwortung zu, da hier noch bedeutende Bestände dieser Art vorkommen.
Bundesartenschutzverordnung: streng geschützt
Rote Liste Deutschland: vom Aussterben bedroht
Europäische FFH-Richtline: Anhang II und IV